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Otherwise Network Quarterly 2/2019

In unserem aktuellen Newsletter erfahrt ihr, was jetzt und in den nächsten Monaten in unserem frisch erweiterten Netzwerk passiert (Future), ihr bekommt eine Auswahl der spannendsten Artikel und Projekte der vergangenen Monate (Past) und Hinweise auf das, was wir regelmäßig veröffentlichen (Anytime).

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Das Otherwise Network wächst

Das Otherwise Network versteht sich als freier Raum für kreative Denker*innen, die gemeinsam den Prozess und die Debatten zur Digitalisierung kritisch begleiten. Dabei sind wir angewiesen auf die Expertise und die unterschiedlichen Perspektiven, die wir in unserem Netzwerk versammeln. Deswegen sind wir auch immer auf der Suche nach neuen, spannenden Perspektiven, die unseren Blick erweitern und ergänzen. 

Heute freuen wir uns sehr, drei neue Mitglieder in unserer Mitte begrüßen zu dürfen, die genau diese Erweiterung gewährleisten können.

Kathy Meßmer

Dr. Kathy Meßmer ist Soziologin mit einem ungewöhnlich breiten Interessenspektrum. Sie arbeitete für den SPD-Parteivorstand, engagiert sich als Netzfeministin, promovierte über die Online-Repräsentationen von Intimchirurgie, arbeitete in einem Startup, leitete ein Institut für Gesellschaftspolitik und Wissenschaftsförderung, lobbyiert für Kleinbauern, setzt sich gegen Hate Speech im Netz ein und denkt über digitale Öffentlichkeiten nach. Sie bringt also gleich einen ganzen Stoß neuer, spannender Themen und Perspektiven mit. Willkommen Kathy!

Christioph Engemann

Christoph Engemann

Dr. Christoph Engemann ist unser erster, waschechter Medienwissenschaftler. Er studierte in Bremen, absolvierte Forschungsaufenthalte in Stanford, bei der Oxford Institute Summerschool, der Universität von Texas und der Leuphana Universität in Lüneburg. Derzeit ist er an der Uni Weimar beschäftigt. Er arbeitet zu eGovernment, der Mediengeschichte der Transaktion und zur Frage wie Identität und Staatlichkeit zusammenhängen. Derzeit interessiert er sich für Graphentheorie, Netzwerke und neue Formen der Souveränität im Zeitalter des Internets. Passt wie Faust aufs Auge, Willkommen Christoph!

Katharin Tai

Katharin Tai

Katharin Tai ist viel unterwegs. Sie studierte internationale Beziehungen und vergleichende Politikwissenschaft in Frankreich, Beijing, Taiwan und Oxford. Sie arbeitet derzeit am MIT in Boston an ihrer Promotion zu chinesischer Internet- und Außenpolitik. Nebenbei arbeitet sie als Journalistin für viele namenhafte deutsche und internationale Medien wie Zeit Online, New America, Deutsche Welle, taz, Spiegel Online und die NZZ. Ihre globale Perspektive und ihr Wissen um die Digitalisierung im ost-asiatischen Raum wird für uns jeden Tag wichtiger. Willkommen Katharin!

Mit nunmehr 10 Menschen fühlen wir uns für die kommenden Aufgaben gewappnet. Stay Tuned für weitere Ankündigungen!

Otherwise Network Salon

Am 6. April 2019 laden wir ein zum ersten Otherwise Network Salon. Wir freuen uns auf Maya Indira Ganesh (@mayameme), mit der wir über Emotionen und Affekte in digitalen Infrastrukturen diskutieren werden.

All The Feels

Weaving together academic texts, gifs and personal narratives, Maya’s performative provocation will introduce ‚affective infrastructures‘, a concept developed by the scholar Laurent Berlant. She will discuss this concept through examples such as #MeToo spreadsheets, and the emotional labour and management involved in making and managing disclosures of sexual abuse; and the capture and reproduction of emotions and affect by surveillance-capitalist technologies.

Samstag 6. April – 16 Uhr –  betahaus (ehem. taz-Gebäude, 1. Stock)
Rudi-Dutschke-Straße 23, 10969 Berlin

Über Transdisziplinarität

Als wir vor ein paar Wochen das Otherwise Network launchten, haben wir viel Wohlwollen und Vorschusslorbeeren geerntet. Dafür wollen wir uns herzlich bedanken und hoffen, die hohen Erwartungen nicht zu enttäuschen.

Eine Kleinigkeit, die jedoch an vielen Stellen auf Verwunderung stieß, war unser Bekenntnis zur “Transdisziplinarität“. Ob das nicht „Interdisziplinarität“ heiße, bekamen wir häufig als Reaktion.

Uns ist bewusst, dass „Interdisziplinartät“ der weitaus populärere Term ist. Wir haben aber Transdisziplinarität für unsere Art der Zusammenarbeit sehr bewusst gewählt, denn unserem Verständnis nach, sagt er noch etwas anderes aus.

Zunächst bezieht die „Interdisziplinarität“ sich eher selten auf eine allgemeine Herangehensweise an Problemstellungen, sondern auf ein – in der Realität meist zeitlich begrenztes – Projekt. Interdisziplinarität ist meist ein temporär aufrechterhaltener Modus der Zusammenarbeit, bei dem Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Fachbereiche für die Dauer des Projektes ihre Expertise einbringen.

Das ist kein Zufall. Das akademische Wissenschaftssystem belohnt fächerübergreifende Zusammenarbeit nur punktuell. Ein temporäres interdisziplinäres Projekt macht sich zwar gut im akademischen Lebenslauf, aber wenn es zum Beispiel um Publikationen geht (Nachwievor die Hauptwährung des Wissenschaftsbetriebs) geht es oft nicht anders, als wieder in die starren Grenzen der eigenen Disziplin zurückzukehren.

Das wiederum macht sich auch inhaltlich bemerkbar. Wehe, ein Wirtschaftswissenschaftler erklärt eine Begebenheit mit einer Theorie der Sozialwissenschaft, oder schlimmer gar: andersrum. Es ist zwar nicht unvorstellbar, dass eine Kommunikationswissenschaftlerin neueste Erkenntnisse der Psychologie in ihre Thesen einbaut, oder die Politikwissenschaftlerin auf die mathematische Informationstheorie zurückgreift, aber diese Beispiele sind nicht durch Zufall rar gesät, denn sie treffen häufiger auf Widerstand statt auf Lob. Schuster, bleib bei deinem Fachgebiet. Und so sind die meisten Ergebnisse interdisziplinären Forschens auch selten ein gemeinsames Etwas, sondern eine additive Sammlung von Einzelperspektiven auf ein Thema, bei dem jeder Fach-Repräsentant auf die proporzmäßige Sichtbarkeit der eigenen Fakultät achtet.

So wollen wir nicht arbeiten.

Wir wollen uns für die Disziplinen der jeweils anderen öffnen und eine gemeinsame Perspektive entwickeln, die möglichst viele relevante Aspekte des untersuchten Gegenstandes vereint. Die Differenzen, die sich dabei zwangsläufig auch ergeben, versuchen wir in internen – und manchmal sogar externen – Diskussionen produktiv zu machen. Uns geht es nicht immer um Konsens, sondern um Austausch und gegenseitige Anerkennung. Transdisziplinarität ist nicht fachübergreifend, sie ist fachüberschreitendes Zusammenarbeiten.

Das betrifft nicht nur die Methoden und Theorien, mit denen man sich auf ein Problem stürzt, sondern fängt schon bei der Problemstellung an. Wissenschaftliche Fragen fallen nicht vom Himmel. Sie entstehen durch die Brille disziplinärer und theoretischer Vorannahmen. Wir wollen transdisziplinäre Formulierungen zu Problemstellungen entwickeln, die uns herausfordern, die Grenzen zwischen den Disziplinen und zwischen Wissenschaft und Praxis zu überschreiten.

Und genau deswegen braucht es die unterschiedlichen Backgrounds, die wir bei OWNW versammelt haben, durchaus. Wir plädieren nicht für eine allgemeine Auflösung der Disziplinen – wir haben ihnen viel zu verdanken. Aber wir wollen ein Netzwerk sein, an dem wir über ihre Grenzen hinauswachsen. Sie sollen keine beschränkende Wirkung mehr haben, denn auch unser Untersuchungsgegenstand – der “technologische Wandel in der Gesellschaft” kennt diese Beschränkung nicht.

Gerade weil wir in unserer Zusammenarbeit nicht so sehr an institutionelle und fachliche Rahmen gebunden sind, wie es in der akademischen Welt üblich ist, haben wir die Möglichkeit weiter zu gehen. Trotz unserer unterschiedlichen Ausbildungen sehen wir uns nicht als Repräsentanten unserer Fächer. Wir sind auch nicht abhängig von externen Reputationssystemen, müssen keinen Zitierzirkeln Tribut zollen, müssen uns überhaupt wenig Gedanken über institutionelle Grenzen machen. Wir glauben, darin liegt eine Chance.

TL;DR: Interdisziplinarität bedeutet über Disziplingrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Transdisziplinarität bedeutet im Idealfall diese Grenzen einzureißen.

Hallo Welt!

Ab heute gibt es das Otherwise Network

Otherwise Network – das ist ein Zusammenschluss von sieben Menschen, die sich publizistisch, wissenschaftlich, aber auch ganz praktisch mit dem technologischen Wandel und den gesellschaftlichen Folgen der Digitalisierung beschäftigen.

  • Algorithmen, KI und maschinelles Lernen – was bedeutet das, theoretisch wie praktisch? Welche Folgen hat Automatisierung für unsere Gesellschaft? Welche (ethischen) Fragen muss eine konstruktive Kritik dieser Technologien stellen?
  • Welche politischen, rechtlichen und ökonomischen Dimensionen sind mit Plattformen und Internetregulierung verknüpft? Wie lassen sich Dezentralisierung oder Openness-Ansätze (Open Access, Open Source, …) bewerten? Was bedeutet immaterielles Wirtschaften?
  • Und nicht zuletzt: Was macht sie aus, die Netzkultur(en)? Wie werden Memes, Katzenbilder usw. zum Bestandteil politischer Online-Diskurse? Welche Protestkulturen und Partizipationsformen kennt das Netz? Was steckt hinter Buzzwords wie Fake News oder Hate Speech – ideologisch, aber auch sozial und kulturell? Und welche Herausforderungen ergeben sich daraus für Bildung und Forschung?

Das sind einige der Fragen, denen wir im Otherwise Network nachgehen. Bereits im Oktober wurde der Verein Otherwise Network aus der Taufe gehoben. Die Gründungsmitglieder sind Kathrin Ganz, Kelda Niemeyer, Marcel Weiß, Michael Seemann, Nele Heise, tante und Theresa Züger. Wir stehen mit unserer Arbeit für fundiertes Wissen und Expertise zu verschiedenen Facetten des technologischen Wandels und den Folgen der Digitalisierung.  Unser Ansatz ist transdisziplinär.

 

Wer wir sind

Das Otherwise Network ist ein Netzwerk aus freien Theoretiker*innen, Praktiker*innen und Publizist*innen. Das Netzwerk ist ein Denkraum, der durch transdisziplinären Austausch neue Perspektiven, Fragen und Diskurse eröffnet. Wir entwickeln Konzepte und Formate, Publikationen und Veranstaltungen zu verschiedenen Schwerpunkten des technologischen Wandels.

 

Warum wir das Otherwise Network gegründet haben

Die Idee des Netzwerks entstand mit der Feststellung, dass es zu wenige unabhängige Stimmen gibt, die jenseits von wirtschaftlicher, aktivistischer und akademischer Interessenvertretung den technologischen Wandel der Gesellschaft analysieren. Obwohl sie für ein Verständnis dieses Wandels unerlässlich ist, fehlt darüber hinaus eine transdisziplinäre Auseinandersetzung. Genau diese Lücke will das Otherwise Network füllen. In unserem Netzwerk verbinden sich Expert*innen für Recht, Informatik, Soziologie, Medien-, Kommunikations- und Kulturwissenschaft, Philosophie und Wirtschaftswissenschaft.

 

Was wir vorhaben

Wir analysieren Wechselwirkungen von politischen Akteuren, Gesellschaftsstrukturen, gesetzlichen Rahmenbedingungen, wirtschaftlichen Effekten, technologischen Praktiken und Artefakten in einzelnen Projekten und Veranstaltungen. Wir entwickeln Einschätzungen zu aktuellen Debatten. Unser Arbeitsfeld umfasst eigene Forschungsprojekte, Moderation und Organisation von Konferenzen, Vorträge und Workshops. Auf Anfrage beraten wir Unternehmen, NGOs und andere Organisationen.

 

What’s next?

Im Frühjahr 2019 beginnt unsere Veranstaltungsreihe, der Otherwise Salon. Zum Auftaktevent “Think. AI. Otherwise” wird sich das Netzwerk mit der Debatte um Künstliche Intelligenz beschäftigen. Wer die Einladung nicht verpassen möchte, kann uns gerne schon hier eine E-Mail-Adresse schicken.

 

Mehr Infos und Kontakt

Detaillierte Informationen zu den Gründungsmitgliedern und den Themen, die wir im Otherwise Network bearbeiten, finden Sie hier auf unserer Website.     

In unserem Kalender finden Sie unsere Events sowie alle Gelegenheiten, bei denen einzelne Mitglieder des Netzwerkes mit Vorträgen oder Panel-Diskussionen an Veranstaltungen mitwirken.

Sie möchten mit dem Otherwise Network in Kontakt treten? Über Anfragen freuen wir uns unter kontakt@ownw.de. Wer mehr über unsere Arbeit erfahren möchte, kann außerdem hier eine E-Mail-Adresse hinterlassen, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Außerdem finden Sie uns auf Twitter @_ownw und Facebook, wo wir regelmäßig über unsere Aktivitäten informieren werden.

 

Einzelne Stimmen unserer Mitglieder

Kathrin Ganz

Die Idee entstand vor etwa einem Jahr. Wir sind zusammen an die Ostsee gefahren. Haben überlegt, wie wir dem Wunsch, nicht mehr nur als Einzelne zu arbeiten, umsetzen können, und zwischendurch bei einem Spaziergang ans Meer über Marktwirtschaft und Vergesellschaftung diskutiert.

Mit dem Otherwise Network werden wir also unsere Perspektiven auf die digitale Welt aufeinander zu beziehen. Wenn wir verstehen wollen, was vor sich geht, müssen wir disziplinäre Grenzen überschreiten

tante

The Otherwise Network ist ein Netzwerk aus Menschen, die einerseits alle besondere Fachexpertise in diversen Domänen mitbringen, die andererseits aber auch alle den Willen haben, die Digitalisierung, die technosoziale Entwicklung der Welt kritisch aber trotzdem optimistisch zu begleiten. Nicht als ein Netzwerk aus Individualist*innen sondern als transdisziplinäre Verbindung aus Menschen, die sich mit Technologie und Gesellschaft gemeinsam beschäftigen. Lösungen suchen für aktuelle Probleme. Regulatorische Herausforderungen gestalten wollen. Und vor allem jenseits von akademischen Elfenbeintürmen und exkludierender Fachsprache mit den Menschen über die laufenden und kommenden Veränderungen reden möchten.

Das Otherwise Network ist noch jung und welchen Weg genau es einschlagen wird, welche Publikations- und Veranstaltungsformen es entwickeln und pflegen wird steht noch nicht fest. Aber wir haben Seitenweise Ideen und Themen, an denen wir alle arbeiten wollen.

Marcel Weiß

Wenn man als Experte in seinem Themenfeld arbeiten will, muss man sich zwangsläufig auf feste Rahmenbedingungen außerhalb dieses Themenfelds verlassen, weil man nicht in allem Experte sein kann. Wenn sich alle gesellschaftlichen Felder langsam aber sicher verschieben, wird eine themenübergreifende Zusammenarbeit immer zwingender, wenn man mehr als das Gestern erfassen will. (Und selbst das kann heute schon eine Herausforderung sein.)

Es braucht vor allem auch Ansätze, die so viele Aspekte wie möglich, und also das ganze Ausmaß, zumindest versuchen zu erfassen. Nur so können wir in die Nähe eines Diskurses kommen, der vielfältiger und näher an der Realität ist. Und erst damit können wir uns als Gesellschaft für die Zukunft wappnen.

Es geht nur interdisziplinär.

Michael Seemann

Originale Netzgewächse aber mit einem Bein in der Wissenschaft und oft noch einem dritten im Journalismus. Wir haben alle einen unterschiedlichen Background – Soziologie, Politikwissenschaft, Jura, Kulturwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Informatik – und uns eint wiederum, dass wir unsere Disziplinen als einengend empfanden, gerade wenn es um das Nachdenken über unsere gemeinsame Leidenschaft geht: Der Frage, wie die Digitalisierung die Gesellschaft verändert.

Das ist der Grund, warum wir glauben, dass es einen weiteren Raum geben muss, um über diese Frage nachzudenken. Weil wir „transdisziplinär by Design“ und multiperspektivisch schauen, denken und arbeiten. Weil wir wissenschaftlich, aber nicht akademisch sind. Weil wir politisch, aber nicht aktivistisch sind. Weil wir kritisch und gleichzeitig enthusiastisch sind. Weil wir Theoretiker/innen mit Netzpraxis sind.