Ausblick 2020 – Marcel Weiß

Das Otherwise Network ist zusammen mit euch allen in einem neuen Jahrzehnt aufgewacht. Die letzten zehn Jahre waren turbulent, die nächsten werden es nicht minder. Wir wollen uns deswegen am allgemeinen Orakel beteiligen und hier unsere Prognosen für die nächsten Jahre aufschreiben. Den Anfang macht Marcel Weiß.

2020 wird unter anderem von der turbulenten politischen Situation in den USA dominiert werden. Impeachment und Präsidentschaftswahl kommen beide mit unvorhersehbaren Dynamiken. (Wie die ersten Januartage des Jahres bereits gezeigt haben.) Ein wichtiges Thema im US-Wahlkampf wird aller Voraussicht nach auch die Regulierung der großen Tech-Plattformen sein. Sowohl Demokraten als auch Republikaner sind unzufrieden mit der Entwicklung der großen Plattformen, namentlich vor allem Facebook. Selbst ehemalige Mitarbeiter der Obama-Administration sehen deren damalige Laissez-Faire-Haltung gegenüber Silicon Valley mittlerweile kritisch. Das wird Europa weiter Rückenwind geben, die eigene Regulierung in diesem Sektor voranzutreiben. Hier in Europa wird diese Regulierung allerdings (zu) stark als Protektionismus über Bande genutzt. Die hiesigen alten Industrien wollen sich so schützen lassen. Das wird nicht funktionieren; auch wenn es dieses Jahr nicht zwingend radikale Abstürze geben muss. Aber so lässt sich leider auch viel Online-Porzellan zerschlagen.

Aufgrund der rasant ansteigenden Volatilität in Wirtschaft und Gesellschaft allgemein ist es schwer (und deshalb eher müßig), auch nur ansatzweise konkrete Vorhersagen für dieses Jahr zu treffen. Die digitalen Bausteine der neuen Wirtschaft und der neuen Gesellschaft zeichnen sich vor allem durch geringere Reibung in ihren Prozessen gegenüber den alten Institutionen aus, was die durch sie ermöglichten Ausschläge der Nadel umso stärker und unvorhersehbarer macht.

Man kann aber allgemeinere Trend-Aussagen über dieses neue Jahrzehnt treffen. Die Digitalisierung der Wirtschaft wird die nächsten Jahre noch schneller voranschreiten. Wichtige Puzzleteile, wie eine onlinehandelskompatible Logistik von Amazon und anderen Playern, die aufden Rest der Wirtschaft zurückwirken wird. (Starke Onlinemarken auf starken Onlinemarktplätzen brauchen keinerlei Massenwerbung im TV mehr beispielsweise.) Die Zwanziger Jahre könnten auch das Jahrzehnt werden, indem das Kräfteverhältnis zwischen analoger und digitaler Wirtschaft endgültig zugunsten der Letzteren kippt. Das kommende Jahrzehnt wird in jeder Hinsicht rasanter als das vergangene.

2020 wird sich der Trend der internationalen Supply-Chain-Expansion Chinas fortsetzen. China investiert weltweit, sehr stark in Afrika aber auch beispielsweise in Griechenland, direkt in Infrastrukturprojekte und gräbt sich damit in lokale Volkswirtschaften ein. In der Mongolei hat China es vorgemacht: die schleichende, ressourcengetriebene Übernahme der Infrastruktur, die dort passierte, ist in diesem Jahrzehnt für den Rest der Welt zu erwarten. In Verbindung mit von chinesischen Händlern und Herstellern bespielten Onlinemarktplätzen (Wish, Aliexpress, aber auch Amazon) und starken mobilen Apps (TikTok als ein erstes Zeichen der Dinge, die noch kommen werden) kommt der Rest der chinesischen Wirtschaft direkt bei der europäischen Bevölkerung an, ohne die traditionellen Mittelsmänner. Dieser direkte Zugang wird ein großes wirtschaftliches und geopolitisches Thema dieses Jahrzehnt werden.

Chinas wirtschaftliche Verflechtungen, die Regulierung der Plattformen und die ungewisse Zukunft der deutschen Automobilbranche in der digitalen Gesellschaft sind die großen Themen der deutschen Wirtschaft für die nächsten Jahre, und sind damit auch die Themenstränge, die mich dieses und die nächsten Jahre beschäftigen werden.

1 Kommentar zu „Ausblick 2020 – Marcel Weiß“

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